Das Kupieren der Rute beim Cocker Spaniel
Auch heute noch sieht man manchmal Cocker Spaniels mit kupierten Ruten.
Diese stammen in der Regel aus dem Ausland und sind meistens über den Auslandstierschutz oder über dubiose Hundehändler nach Deutschland oder Österreich gekommen, da das Kupieren der Ruten in Deutschland seit 1998 gesetzlich verboten ist, in Österreich seit 2000 und in der Schweiz schon seit 1997.
In die Schweiz dürfen kupierte Hunde gar nicht mehr eingeführt werden, es sei denn es handelt sich um Kurzbesuche von Ausländern oder es kann der Nachweis erbracht werden, dass die Amputation medizinisch nötig war oder der Eingriff vor 1997 stattgefunden hat. Dies führt zu besonderen Problemen bei der Vermittlung von Hunden aus dem Auslandstierschutz in die Schweiz.
Seit 2002 gilt beim der FCI angehörenden Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) ein Ausstellungsverbot für Hunde aus dem In- und Ausland, deren Rute nach dem 1. Juni 1998 amputiert wurde.
Das Kupieren der Rute wird in den ersten Lebenstagen des Hundes vorgenommen. Da durch wissenschaftliche Untersuchungen mittlerweile die Behauptung widerlegt wurde, dass die Hunde in diesem jungen Alter keine Schmerzen hätten, und man vom Gegenteil ausgehen muss, wird die Amputation heute unter Narkose vorgenommen. Bei dem Eingriff wird die Haut mit einem Skalpell eingeschnitten und zurückgezogen, woraufhin der Schwanz zwischen den Wirbeln gekappt wird. Bei älteren Hunden ist das Kupieren des Schwanzes dagegen wesentlich komplizierter. Der Eingriff macht neben einer Schmerz- oft auch eine Antibiotikatherapie nötig.
Englische Züchter kupieren die Ruten neugeborener Hunde oft, indem sie mit Hilfe eines straffen Gummibandes die Rute zum Absterben bringen. Die Blutzufuhr zum Rutenende hin wird unterbrochen und nach wenigen Tagen fällt der abgestorbene Teil der Rute ab.
Die Befürworter des Kupierens führen dabei hauptsächlich ins Feld, dass z.B. jagdlich geführte Hunde eine höhere Beweglichkeit hätten, weil sie sich nicht mit der Rute in Sträuchern und Unterholz verfangen könnten und bei allen Hunden das Verletzungsrisiko durch Anschlagen oder Einklemmen des Schwanzes verringert werden könnte.
“Der größte Vorteil des Kupieren ist, dass damit die oft nicht mehr heilenden, folgenschweren und zur Amputation führenden Verletzungen der Rute von Vornherein verhindert werden. Häufige Verletzungen dieses exponierten Körperteils erfolgen z. B. durch Einklemmen in Auto- und Zimmertüren, beim Stöbern in stacheligen Sträuchern und Stauden, beim temperamentvollen Sozialkontakt oder bei Raufereien mit Artgenossen.
Ein sachgerechtes Kupieren dient somit sehr effizient der Lebensfreude, dem Wohlbefinden, der Gesundheit und dem Schutz der Hunde; aus Gründen des Tierschutzes erscheint daher ein diesbezügliches Verbot in Landes-Tierschutzgesetzen nicht gerechtfertigt.”
Quelle: http://www.cdb.org/vets/rs_kupie.htm
Die Begründung erscheint reichlich perfide. Denn dann müsste man dem Menschen wohl auch die Körperteile vorsorglich amputieren, die er sich gern mal irgendwo anstoßt, einklemmt oder anderweitig verletzt.
Demgegenüber steht die Tatsache, dass ein Kupieren ohne Narkose ein sehr schmerzhafter Vorgang ist und auch ein Kupieren mit Narkose ein belastender Eingriff ist, der nur bei einer medizinischen Notwendigkeit durchgeführt werden sollte.
Außerdem beinträchtigt ein Fehlen der Rute den Hund bei der artgemäßen Verständigung und beschränkt stark seine Ausdrucksmöglichkeiten. Auch die natürliche Bewegung z.B. beim Kurvenlaufen oder Springen ist durch das Fehlen der Rute eingeschränkt.
Für mich gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, einem gesunden Hund die Rute zu amputieren, und ich erfreue mich täglich am ausgeprägten, fröhlichen Rutenspiel unserer beiden Cocker Spaniels. ![]()
Es wäre wünschenswert, wenn auch in anderen Ländern endlich das Kupieren der Ruten eingestellt würde!

